Wer kennt ihn nicht? – Diesen üblen, hartnäckigen und inneren Schweinhund? Ihn zu überwinden, fordert nicht nur unsere körperlichen Kräfte. Es ist vor allem der Geist, den er zu überwinden versucht! Doch wie gelingt es ihm Einhalt zu gebieten und den Weg frei zu machen für den starken und (hoffentlich) unüberwindbaren Willen, der die Grundlage für unsere dauerhafte sportliche Betätigung darstellt? WETTKAMPF ! Ein wirksames, wenn auch nervenaufreibendes Mittel, dass nicht nur sportlichen Erfolg, sondern v.a. die Einhaltung der persönlichen Ziele bedeuten soll. So zumindest in meinem Fall: Im Winter 2011 habe ich mich von der Krankheit “Lauflust” anstecken lassen. Ausgerechnet zur kalten Jahreszeit hat mich das Fieber gepackt und ich konnte an nichts anderes mehr denken als: Laufen, laufen, laufen.

Nicht nur die Witterungsbedingungen, sondern auch mein blutiger Anfängerstatus haben das Laufvergnügen häufig zur Qual gemacht. Wenn es draußen bitterkalt und drinnen kuschelig warm ist läuft man schnell Gefahr, der Gemütlichkeit zu erliegen und den nächsten Lauf zu verschieben. Aber: Ohne Training keine Verbesserung! – und so zog ich bald fast täglich meine Runden um den Straussee: Allein. Wieder und wieder traf ich auf meinem Weg andere Läufer, die mir nicht nur zeigten, dass schlechtes Wetter kein Grund ist nicht zu laufen, sondern auch, dass ein Laufen in Gemeinschaft mehr Spaß macht, als ständig allein unterwegs zu sein.

Auf der Suche nach Gleichgesinnten durchstöberte ich das Internet und fand schließlich die Laufgruppe des SV Blau-Weiß Petershagen/Eggersdorf, in der ich seit Anfang 2012 Mitglied bin. Meine anfänglich noch regelmäßige Teilnahme am Training hat mir gezeigt, wie schnell ich meine Leistung verbessern kann. Mir wurde klar, dass die anfänglich noch utopisch erscheinenden 10km keine große Hürde mehr sind. Durch persönliche Umstände wurde ich auf den Berliner Frauenlauf aufmerksam – Eine 10km Route mitten durch Berlin, ein Lauf gegen den Brustkrebs. Ich fasste den Entschluss: Wenn es Frauen gibt, die Krebs besiegen können, dann sollte ich wohl in der Lage sein, diese 10km zu schaffen. Als mich dann im Februar, noch dazu am kältesten Tag des Jahres, Jörgen, Stefan und Thomas zum ersten Mal an die 13 km brachten, war mir klar: Es gibt schlimmeres als 10 km am Stück zu laufen.

Oft habe ich gezweifelt, ob ich tatsächlich bereit bin für diesen Lauf, denn ein längerer Urlaub und meine Arbeitszeiten ermöglichten es mir nicht, weiterhin am Training teilzunehmen. Der Tag des Wettkampfes rückte immer näher. Auch andere Frauen aus unserem Verein hatten sich angemeldet und mir von der wunderbaren Atmosphäre berichtet: Sie haben nicht zu viel versprochen! Am 12.05.2012 stieg ich in die S-Bahn, um gemeinsam mit anderen Vereinsmitgliedern den Weg zu meinem ersten Wettkampf anzutreten. Sowohl die mit Kosmetikprodukten gefüllte AVON- Tüte, die jede Teilnehmerin zur Begrüßung erhält, als auch die professionelle Begleitung von “Hartmutine” halfen über die anfängliche Aufregung hinweg. Kurz vor Beginn wurden meine persönlichen Zielvorstellungen noch kurz durch eine Traineransage über den Haufen geworfen: “Du bleibst bei uns – wir laufen in der Gruppe – das schaffst du!” Zack! Und da war sie auf einmal: ANGST! Aber keine Zeit, sich darauf zu konzentrieren: 10..9..8… und los ging´s! Die Massen setzen sich in Bewegung und ich bin damit beschäftigt, die blauen Shirts der anderen Mädels im Auge zu behalten und nicht den Anschluss zu verlieren. Neben meinem Staunen über die Massen, die an diesem Lauf teilnehmen drängt sich mir nur ein Gedanke auf: Verdammt sind die schnell !! Immer wieder bleibe ich zurück, doch Christina kommt und sammelt mich ein, wie einen verlorenen Welpen. Nach 3,5 km musste ich der Einsicht erliegen, dass nur ein langsameres Tempo mich zum Ziel führt. Doch kein Problem, denn wir sind viele! Also lasse ich mich zurückfallen und warte auf die Damen in blau und weiß, die hinter mir sind. Und sie ließen nicht lange auf sich warten: Meine Rettung! Mit unserem Lauftempo auf einer Wellenlänge bestritten wir gemeinsam die letzten Kilometer.

Es ist ein schönes Gefühl, solche Erlebnisse und seinen Erfolg zu teilen. Der Erfolg hat mir tatsächlich viel bedeutet, denn ich habe nicht nur eine für mich sehr gute Zeit erreicht, sondern auch ein Zeichen für all jene Frauen im Kampf gegen den Brustkrebs gesetzt, welche nicht nur einmalig bei solch einem Lauf, sondern täglich den (Überlebens-) Kampf antreten.

Ein toller Lauf, der nicht nur einen Riesenspaß macht, sondern auch sinnvoll ist: Der Berliner Frauenlauf wird auch im nächsten Jahr ein fester Termin in meinem Laufkalender sein.

Dajana, 30.08.12

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